Goddess of Poison – Melinda Salisbury

Bei boomoon (arsEdition) ist kürzlich erst Goddess of Poison – Tödliche Berührung , das Debüt von der Engländerin Melinda Salisbury, erschienen. Ein interessantes Buch, das ich dank Netgallery lesen konnte. Die 352 Seiten, übersetzt von A.M. Gründewald sollen dabei ein Reihenauftakt sein, der zweite Band ist im englischen Original bereits erschienen.

coverTwylla lebt auf dem Schloss und muss jeden Monat Gift trinken. Sie stirbt davon aber nicht, denn sie ist die wiedergeborene Tochter der Götter. Darum wird sie den Prinzen heiraten, darum darf sie niemand berühren. Denn ihre Berührung tötet. Twylla, einst Tochter der Sündenesserin, hat nun eine neue Bestimmung, die Rettung des Reiches. Als der Prinz von langer Reise zurückkommt und ihr gleichzeitig ein neuer Wächter zur Seite gestellt wird, ändert sich alles. Plötzlich versucht der Prinz sie auf seine Seite zu ziehen, denn er plant etwas. Und auch der Wächter verdreht Twylla mit seinem Grinsen den Kopf und pflanzt dort Gedanken ein, die sie gar nicht haben dürfte. Und hinter allem braut sich eine Gefahr auf, die niemand erahnen kann.

Die ersten Seiten des Buches waren gar nicht so leicht zu lesen. Twylla ist sehr emotionslos, in sich gekehrt, passiv und naiv. Sie lässt alle, allen voran die Königin, mit ihr machen, was sie will. Widerspruch wagt sie nie zu geben – selbst wenn sie überzeugt ist, dass es falsch ist, was sie tun soll. Dass die dahinter aber schlicht verängstigt ist und ihre Umwelt beschützen will, zeigt sich nicht nur in den Gedanken an ihre jüngere Schwester, sondern auch, als sie versucht einen in Ungnade gefallenen Adligen vor der Königin zu retten.

Im Grunde ist Twylla nämlich weder dumm noch gemein, viel eher ist sie hoffnungslos. Die Einsamkeit hat sie gefügig gemacht und die Macht der Königin steht über allem. Als der Prinz und ihr neuer Diener Lief an diesen Machtverhältnissen zerren – jeder auf seine Weise – traut sich Twylla wieder, ihre eigenen Gedanken zu festigen. Sie sucht sich unter dem Bild der Göttlichen, das für die Öffentlichkeit aufgestellt wurde – an das sie mittlerweile selbst geglaubt hat. So ist es kein Wunder, dass sie ihre Kindlichkeit schnell ablegt und schließlich offenbart, wie viel schon in ihr gebrodelt hat.

Diese Adoleszenzentwicklung erfolgt aber nicht im Hinblick auf die Königin als Herrscherin und Vormund, sondern auch in Bezug auf Twyllas leibliche Mutter und ihre Erinnerungen an sie. Diese durchziehen das Buch gemeinsam mit den unterschiedlichen Speisen, die für die begangenen Sünden nach dem Tod gegessen werden müssen. Diese kulinarische Verwebung von tätlicher Sünde und Maßlosigkeit wie Genuss prägt Twyllas Verständnis von Richtig und Falsch und ihr eigenes Verhältnis zur Nahrung. Wie auf der Trauerfeier die Gerichte für die Sünden stehen, werden sie für Twylla zur Sünde selbst. Stets beschäftigt sie dabei auch die Frage, was zu ihrer Beerdigung gegessen werden müsste.

Ein interessantes Beispiel für Taten und ihre Folgen. Auch Twylla lernt, dass manche Taten die Folgen wert sind, Schuld und Sünde aber unterschiedliche Dinge. Das alles bietet einen gut durchdachten Hintergrund für ihre eigene Geschichte, die Geschichte einer Aufklärung und eines Erwachens in mehrfacher Hinsicht. Denn nicht nur Twylla erwacht endlich als sie selbst, auch eine undenkbare Gefahr.

Faszinierend gelöst finde ich hier auch das Motiv der zwei Männer, die um eine Frau buhlen. Dabei zeigen der Prinz und Lief Ähnlichkeiten wie Gemeinsamkeiten und verbergen beide doch vor Twylla entscheidendes. Schade fand ich, dass der Prinz dabei weniger Raum erhält und oft schneller abgefertigt wird. Ihre Wahl am Ende kann ich euch nicht verraten – nur so viel: Ich war beeindruckt, dass ausgerechnet die anfangs so naive Twylla solch eine reife Entscheidung fällen kann.

Goddess of Poison hat mich nach den ersten Seiten schnell in seinen Bann gezogen. Mit Twyllas Entwicklung verändert sich der Stil und auch die Spannung arbeitet auf mehreren Ebenen. Die tolle Hintergrundgeschichte, aus der so viel herauszuarbeiten wäre, finde ich schlicht genial und ich bin sehr gespannt auf den nächsten Teil.

Kommentare

    • Eva-Maria_Obermann

      Liebe Silvia,
      ich bin seit August 2016 Mitglied bei Netgallery und habe zuletzt meinen 10-Rezension-Button bekomme. Aktuell habe ich noch zwei Bücher zu lesen. Ich finde das System ganz gut und bin schon auf Bücher aufmerksam geworden, die sonst an mir vorbeigerauscht wären. Manchmal gibt es noch technische Probleme bei Hochladen der Rezension – aber das System arbeitet ja noch an sich.
      LG
      Eva

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