Fortpflanzung nach Tagesform von Katinka Buddenkotte

Vom Knaus Verlag flatterte unlängst Fortpflanzung nach Tagesform auf meinen Lesestapel. 256 Seiten von Katinka Buddenkotte, die mich sofort hellhörig machten.

Maike und ihr Freund Hummel sind soweit, sich an den praktischen Teil des Kinderwollens zu machen. Sie sind bereit, haben eine Liste abgearbeitet, die sie vorbereiten soll, beide sind voll des Tatendrangs. Doch nach Wochen und Monaten stellt sich bei Maike Panik ein. Es klappt nicht. Soll es vielleicht nicht klappen? Oder kann es gar nicht klappen? Sie wird hysterisch und auch Hummel ist am Rande des Nervenzusammenbruchs. Dass seine Arbeit ihn sowieso auslaugt und ihre Doktorarbeit mehr und mehr ins Stocken gerät hilft da so wenig, wie ein unselbstständiger Schwager und dessen Bitch (Hund, meine Güte, es ist ein Hund, tatsächlich, regt euch ab).

Ich war und bin aus vielen Gründen ziemlich begeistert mit dem Buch. Ich promoviere und habe mich in Maikes und Hummels Lebensstil und Humor sofort wohl gefühlt. Viele würden den Kopf darüber schütteln, aber das ist mein Ding, so Sprüche können durchaus auch von mir kommen. Gleichzeitig habe ich aber GOTTSEIDANK nie das Problem gehabt, dass Maike und Hummel in die Krise treibt. Ich kenne aber Fälle, in denen eben erst künstliche Befruchtung half, oder die Problematik alles aufgebauscht hat, was noch so in einer Beziehung lauert.

So wie bei Maike und Hummel. Anschaulich und eindrucksvoll zeigt Buddenkotte, dass auch ein im ersten Augenblick perfektes Paar durch den fremd- und selbstauferlegten Druck der Zeugung in Wanken gerät und schnell in der Luft hängt. Selbstzweifel und Unsicherheit ist die Folge. Noch dazu kommt das Einsehen, dass auch sichere Alltäglichkeiten eben keinesfalls so sicher sind, wie wir kleinen Spießer gerne denken und dass allen voran immer noch die Frage steht, ob wir dabei auch glücklich sind.

Schnell zeigt sich auch, dass Unsicherheit mit der eigenen Person auch dazu führt, die Umgebung in Frage zu stellen. Maike etwa sieht sich nicht nur überall mit ihrem Nichtmuttersein konfrontiert, sondern ist zunehmend empfindlicher gegenüber allem, was Hummel macht. Und der scheint gerade zu Beginn des Buches fast zu perfekt zu sein. Kein Draufgänger, gemütlich, wortgewandt, immer zur Stelle, wenn Maike ihn braucht. Es braucht, um klar zu werden, dass Kinderwunsch nicht immer Kinderwunsch ist und auch unausgesprochener Druck Druck.

Der sarkastische, böse Humor gefällt mir dabei sehr gut. Voller ironischer Momente, die eigentlich nur das Leben schreibt, ist die Geschichte von Maike und Hummel nicht nur erschreckend realistisch, sondern auch mit einem halbwegs glücklichen Ende versehen, das keine wirkliche Antwort liefert, aber viel Möglichkeit. Ich bin mir sicher, dass Fortpflanzung nach Tagesform nicht für jeden Leser geeignet ist. Es hat Herz und Kopf, von beidem viel, so dass es unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich ist, nimmt Kinderwunsch und Fortpflanzungsdruck zum Thema und sieht dabei vor allem Maike als Erzählerin mit der Mutterfigur konfrontiert, die sie absolut nicht leiden kann. Gut zu lesen, sehr interessant und absolut mein Fall.

 

Kommentare

    • Nicht unbedingt. Die Autorin bleibt anschaulich, ehrlich aber sensibel. Es geht vor allem im den psychsichen Druck, der selbstgemacht ist. Darum ist das Ende hier auch hoffnungsvoll und plausibel. Ich denke durchaus, das jemand mit unerfülltem Kinderwunsch hier Kraft und eventuell eine andere Perspektive erkennen könnte. Das Lustige ist ja nicht das Thema, sondern der Stil und das Drumherum.

Ich freu mich über eure Meinungen