Fisch! – Linda Wolfsgruber

Der Deutschlandfunk hat am 06.08. Linda Wolfsgrubers Bilderbuch Fisch! auf die Liste der besten sieben Bücher für junge Leser im August gesetzt. Das hat mich neugierig gemacht. Erschienen sind die 32 Seiten der Künstlerin aus Österreich bereits im Februar 2016 im NordSüd Verlag.

Linda Wolfsgruber: Fisch!Die Otter sind aufgeregt. Einer hat einen Fisch gesehen und die anderen gerufen. Gemeinsam geht es jetzt los. Mit Töpfen, Gewürzen, Wasser, Kochlöffeln. Und vor allem schnell, schnell, schnell. Sie müssen sich beeilen, denn der Weg ist zwar nicht weit, aber hügelig – und der Fisch ist ihnen wichtig.

Am Anfang war ich etwa skeptisch. Otter wollen Fisch? Naja. Fressen und gefressen werden eben. Eben nicht. Die Otter wollen den Fisch nämlich nicht essen, aber nicht nur ich habe das am Anfang gedacht. Auch Die Dreijährige ist sich beim Vorlesen sicher, dass die Otter Töpfe, Wasser und Gewürze brauchen, damit der Fisch am Ende schmeckt. Damit schafft das Buch etwas Großartiges. Das stetige Erstaunen, das Lächeln am Ende, die Überraschung und Auflösung. So mitreißend ist diese Auflösung, das wir das Buch am ersten Tag sofort mehrmals vorlesen mussten und es seitdem jedem Besuch vorgestellt wird.

Die Illustrationen dazu finde ich wirklich schön. Im Collage-Stil und mit Farben in Pastell-Nuancen sind die Bilder geradezu sanft. Noch dazu verstärken die Bilder den ersten Gedanken, dass die Otter ein Festmahl planen. Sie zeigen die Zähne, lecken sich über die Lippen. Nicht wirklich niedlich sehen sie aus. Aber auch nicht wirklich gefährlich. Die Gewürze finde ich toll getroffen. Wir konnten die realen Äquivalenten sofort im Garten suchen und daneben halten.

Der Text ist dünn und damit wird das Buch zu einem kurzen für Zwischendurch, das dennoch Spaß macht und erstaunlich viel Tiefe hat. Viele Wörter werden dreimal wiederholt, was die Spannung und die Eile der Otter verdeutlicht. Dazwischen aber haben die Otter Zeit, auf den Töpfen zu trommeln und mit Wasser zu spielen. Große Kinder. Vielleicht ist die Auflösung am Ende darum so passend.

Fisch! schafft es, unsere konventionellen Erwartungen zu nehmen und ihnen frech die Zunge heraus zu strecken. Dass meine Kleine glaubt, die Otter müssten natürlich den Fisch fressen, zeigt, wie gefangen bereits kleine Kinder in den Denkkonstrukten unserer Welt sind. Das Ende des Buches aber verkehrt alles. Und damit zeigt Fisch! wie leicht doch die Welt aus einer anderen, vielleicht besseren, Perspektive zu betrachten ist und lässt Eltern wie Kinder, Vorleser wie Zuhörer mit einem staunenden und erkennenden Gefühl zurück. Oh, es ist nicht so wie ich dachte. Ah, das ist aber viel besser.

Was mich freut ist, dass das Buch auch als Anschaubuch geeignet ist. Die Kinder können sich die Geschichte anhand der großflächigen Illustrationen herleiten, nacherzählen (die Maus kennt den Text nach einer Woche bereits auswendig) und so sich auch ohne Eltern an der Geschichte freuen. Auch schön: Die Kleine kann das Buch ihrem kleinen Bruder bereits „vorlesen“. Und die Handlung freut auch mich jedes Mal wieder, so dass ich das Buch wirklich gerne vorlese – auch vier oder fünf Mal am Tag.

Fisch! hat sich auf jeden Fall in kürzester Zeit seinen Platz unter den Lieblings-Kinderbüchern gesichert. Eine absolute Empfehlung!

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