Die längste Nacht – Isabel Abedi

Bisher kannte ich Isabel Abedi von den Vorlesebüchern meiner Kinder. Jetzt habe ich sie auch für mich entdeckt. Mit Die längste Nacht hat Isabel Abedi einen großartigen Jugendroman geschaffen, 408 Seiten bei Arena.

Isabel Abedi: Die längste NachtVita fährt nach dem Abi mit ihren besten Freunden weg, einmal quer durch Europa mit dem VW-Bus. Doch schon in Italien stößt Vita auf Luca, der sie fasziniert. Doch als sie sich bei seinen Eltern vorstellt, wird sie fortgejagt und auch Luca misstraut ihr plötzlich. Schließlich findet Vita heraus, warum: Ihre große Schwester ist nicht, wie sie bisher geglaubt hat, bei einem Autounfall gestorben, sondern in Italien. Und ihr Tod ist verwoben mit Lucas Familie und ihren eigenen Albträumen.

Die Reise durch die Welt als Reise zu sich selbst ist hier großartig inszeniert. Das Leitmotiv der Nacht, die gleichzeitig verhüllt und durch Traum und Mond doch die einzige ist, die Licht stiften kann, dominiert. Namen sprechen und Metaphern sind nicht nur einfach geschriebene Bilder, sondern bauen sich über Seiten hinweg auf. Kleinigkeiten werden am Ende ganz groß, wie etwa ein alter Anhänger an Vitas Lieblingskuscheltier. Kurz: Die Geschichte ist tief durchdacht und grandios ausgearbeitet.

Der Stil ist belebend und malerisch, mit großartigen Bildern und einer fesselnden Sprache. Die Figuren sind, wie auch der Plot, ausgearbeitet und jede hat ihre eigene Geschichte. Faszinierend dabei ist auch der geheimnisvolle Autor, der neben der Ich-Erzählerin personal begleitet wird und zusätzlich Spannung erzeugt.

Etwas schwierig waren für mich die Freunde Vitas, die zunächst so wichtig sind und dann abgeschoben werden, als Vita ihre Vergangenheit ergründen will. Das ist logisch, damit sie den Kopf für die Geschichte frei hat, wirkt aber trotzdem gezwungen, weil die Verbindung zwischen ihnen so dicht war.

Sehr intensiv war auch die Verbindung zwischen Luca und Vita. Nicht absolut liebestrunken, aber dennoch genug Antrieb für die Geschichte und den Zusammenhalt zwischen den beiden.

Die mosaikhafte Aufklärung der Geschichte bis hin zur alten Ruine finde ich gelungen dargebracht, auch wenn Vitas sprunghafte Entscheidungen nicht immer zu hundert Prozent nachzuvollziehen zu sind. Das passt aber zu ihrem Charakter und ihrer Verwirrtheit.

Der Stil und die detailliert durchdachte Geschichte hat mich absolut überzeugt. Es gab kleine Holperstellen, die mich aber nicht gehindert haben, die mehr als 400 Seiten in einer Nacht durch zu lesen. Ich war gebannt und empfehle euch dringend, das Buch zu lesen. Es ist es wirklich wert.

Ich freu mich über eure Meinungen