Die Bücherfreundinnen – Jo Platt

Über Die Bücherfreundinnen, das ich dank Blogg dein Buch bekommen habe, habe ich mir wirklich gefreut. Erschienen ist der Roman von Jo Platt mit 384 Seiten in der Übersetzung von Katharina Naumann bei rororo (Rowohlt) .

In ihrem Bücherclub treffen sich die Freundinnen Alice, Miriam, Sophie, Connie und Abigail, die Bücherfreundinnen. Außerdem dabei ist Jon, Witwer von Lydia, die auch zum Club gehört hat. Die Geschichte dreht sich um Alice, die einen schwere Trennung gerade verkraftet hat und nun von ihren Freundinnen verkuppelt wird. An einen Pathologen mit Faible für Rollenspiele und einen Romantiker, der fast zu gut ist, um wahr zu sein. Und dann ist da noch Jon, von dem sich Alice entfremdet, ohne es zu wollen und ihre Kollegin Sophie, die ganz eigene Probleme in Sachen Liebe hat.

Jo Platt: Die BücherfreundinnenWirklich gut finde ich, dass wirklich jede der Frauen eine Entwicklung durchmacht. Alice steht zwar im Zentrum, aber sie wird von allen Nebengeschichten gestreift und ist sogar in viele involviert. Dass ihre eigene Suche nach der Liebe sich im Kreis dreht uns so endet, wie es der Leser von Anfang an erwartet, ist dadurch gar nicht so schlimm. Das Drumherum gibt den Ausschlag.

Tatsächlich ist auch in den Nebenhandlungen vieles bereits früh angedeutet, das Wie dominiert über dem Was. Die Spannung bleibt dadurch relativ flach. Die entscheidenden Wendepunkte, die dann wieder in sich überraschend sind, sorgen dafür, dass der Roman im Rhythmus bleibt. Es plätschert manchmal eher für sich, für eine romantische Geschichte dieser Art aber ganz gut gewählt. Große Gefühle brauchen hier Zeit. Zeit zum Kommen, Zeit zum Erkennen, Zeit zum Bestehen, Zeit, um sich miteinander zu ändern. Und das klingt im Grunde ganz realistisch.

Der Punkt sorgt auch dafür, dass das Buch trotz viel Romantik nicht in den Kitsch gleitet und nicht zu schmalzig wird. Allein das Ende war mir dann doch zu viel auf einmal.

Der Stil ist gut und flüssig zu lesen, wird passend zum Verlauf hektischer und ebbt dann wieder ab. Es ist immer gut, wenn ein Leser schnell ins Buch findet und nicht über den Stil stolpern muss. Etwas verwirrend waren für mich die anfänglichen Rückblicke, die lediglich dazu da sind die Verbindung zwischen Alice und Lydia zu verdeutlichen, die eigentliche Handlung dann aber gerade in der Anfangszeit des Romans unterbrechen. Vielleicht wäre es glücklicher gewesen, die Rückblicke als ein Kapitel ganz an den Anfang zu stellen und dann die Konzentration auf die „Jetzt-Zeit“ des Romans zu richten.

Immer mal wieder sind wiederkehrende Motive in den Roman eingewoben, so dass Manches aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird und der Blick offen bleiben kann. Gerade im Hauptstrang des Romans kommt dadurch aber auch das leichte Gefühl auf, die Geschichte drehe sich im Kreis und die Protagonistin Alice könne aus ihren Fehlern nichts lernen.

Alles in allem ist Die Bücherfreundinnen ein netter Roman für Zwischendurch, der mehr noch über Freundschaft(en) als über Liebe sinniert. Für den schwülen Sommer gut geeignet, große Tiefe gibt es aber nicht.



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