Der magische Hauch – Kathrin Schröder

Als Märchenliebhaberin war ich auf Kathrin Schröders Der magische Hauch sehr gespannt. Neue Blickwinkel wollte sie auf den 244 Seiten, die im Februar 2016 bei BoD erschienen sind, eröffnen.

Kathrin Schröder: Der magische HauchDie Grundlage bilden hier die Märchen der Brüder Grimm. Sehr bekannte, wie Aschenputtel, aber auch eher grob vernachlässigte wie die drei Federn oder das Märchen vom Fischer und seiner Frau, das irgendwie jeder so halb kennt, aber weniger je gelesen haben. Über dreißig Märchentexte hat Kathrin Schröder in ein neues Gewand gesteckt. Mal aus der Sicht der eifersüchtigen Stiefschwester oder eines wundersam langlebigen Schmetterlings, mal aus der einer Nebenfigur oder eines neu erdichteten Beobachters.

Die Auswahl hat mich sehr gefreut.

Dass die Autorin weder die sehr bekannten Texte nach dem Motto „Kennt doch jeder“ weggelassen hat, noch auf die eher unbekannten aus dem gegensätzlichen Grund verzichten wollte, finde ich sehr schön. Auch der Stil ist treffend, märchenhaft, kindgerecht und doch modern. Gerade bei Märchen ist das nicht immer leicht. Die Texte, die wir aus den Sammlungen der Brüder Grimm kennen, sind sehr simpel, die Figuren blass, es geht hier ja um Moral und Lehre, um das glückliche Ende und das Kindgerechte. Kindgerecht sind auch Kathrin Schröders Texte, doch sie schafft es durchaus etwas mehr Tiefe in die Texte zu bekommen.

Aber eben nur etwas.

Gerade die Aussicht auf neue Blickwinkel hat mich sehr gereizt und ich war gespannt, wie das umgesetzt wurde. Leider nur Ansatzweise. Einen Hauch eben nur. Der Schmetterling sieht auch nicht mehr, als wir ohnehin schon über Schneewittchen wissen und Aschenputtels böse Stiefschwester schafft es kaum, ihre Bosheit beizubehalten, so sehr wird ihre Geschichte dann doch zum positiven Ausgang gedrückt. Gerade da hatte ich mir aber mehr erhofft. Neue Auslegungen, Seitenwege, die neu gesponnen werden, dichterische Umformung. Das aber findet sich hier nicht. Kathrin Schröder erzählt, wie ihre Vorbilder, nach. Das Neue bleibt dabei allzu leicht auf der Strecke.

Für Kinder und Junggebliebene, die auch unbekannte Märchen mögen und einfach etwas mehr wollen, als die immergleichen Grimm-Formulierungen ist Der magische Hauch eine passende Lektüre. Mir war sie einfach zu wenig – ich hatte mir anderes erhofft.

Ich freu mich über eure Meinungen