Das Möhrchen-Massaker – Berit Hullmann

Im Juli erst erschienen ist Berit Hullmanns Möhrchen-Massaker bei blanvalet mit 285 Seiten.

Das Möhrchen-MassakerHannah wird schneller, als gedacht schwanger und sieht sich prompt einem Leben in Mutterschutz gegenüber. Nach der Geburt kommt das große Kennenlernen, denn auch Hannah muss erst lernen, Mutter zu sein. Eine Supermamie, Hausfrauen und solche, die schnell wieder zurück an den Schreibtisch wollen – alle lernt Hannah kennen. Auf die Probe gestellt wird sie, als ihr Chef sie bittet, die Elternzeit zu verkürzern und ihr „Papazubi“ das Kind schaukeln soll.

Ein wirklich grausames Buch. Ist der Anfang noch betont lustig und macht Hoffnung auf eine seichte, aber amüsante Unterhaltung, wird der Stil mit jedem Kapitel flacher, die Themen gestelzter, die Figuren blasser. Einzig Hannah, die vom Mamasein ziemlich überwältigt ist, behält etwas Farbe. Dass sie es dann aber für nötig hält, ihren Mann erst „auszubilden“, ehe sie ihm ihre Tochter „anvertraut“ bringt mich zum Gähnen und Kopfschütteln. Soll wohl lustig sein, zeigt aber mal wieder nur, wie Mütter gerne gesehen werden: Als Glucken.

Zwischenzeitig wirken die Gespräche, die Hannah mit ihren befreundeten Müttern hat sehr gezwungen, eher schriftlich als mündlich und absolut vorgetextet. Die Figuren, die eigentlich viel Potential haben, wie die Supermamie oder Hannahs Freundin, die sich auf das Hausfrauenleben freut, sind schnell abgespeist, mit kaum einem Satz eingeführt, mit einem anderen enttarnt, ohne dass großartig Handlung aufgekommen wäre. Auch Kind und Ehemann sind eindeutig im Hintergrund und so wird auch Hannah farblos und ohne klare Konturen. Vielleicht ein Versuch, sie breit zu fächern, der aber gewaltig nach hinten los geht.

Und auch Hannah dümpelt etwas vor sich hin, die Geschichte macht dabei riesen Sprünge von Monaten, so dass Identifizierung schwierig wird. Dabei werden zwar immer wieder gute Themen angesprochen (Mutterbild der Gesellschaft, Schein-und-Sein, KiTa), aus denen viel zu holen wäre, doch beim Ansprechen bleibt es meistens auch, nichts kann sich entfalten, keine richtige Diskussion kommt auf, weil alles gleich geschwächt wird. Hannahs Emotionen, und sie erzählt die Geschichte nunmal, bleiben bis ab der Geburt eher flach. Die große Aufregung ist vorbei und auch eine gezwungene Komik hilft da nicht.

Bis zur Geburt bietet Das Möhrchen-Massaker eine kurzweilige Unterhaltung, danach flaut es sehr ab. Die Nebenfiguren sind flach und die vielen Potentiale bleiben vergeudet, selbst der Ehemann hat außer einem Grinsen scheinbar nicht viel zu geben. Kann ich absolut nicht weiter empfehlen.

Kommentar

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