Das Flüstern der Pappeln – Julia von Rein-Hrubesch

Ich wusste nicht ganz, was mich erwartete, als ich das Flüstern der Pappeln von Julia von Rein-Hrubesch zur Hand nahm. Eine alte Liebesgeschichte etwa, die der Enkelin die Augen öffnete? Eine Selbstfindung? New Adult oder Midlifecrisis? Im Selbstverlag mit 166 Seiten erschienen rauschte ich schließlich durch die Geschichte. Hier ist meine Rezension und damit der zweite Teil des heutigen Adventskalendertürchens.

Henni sucht etwas. Etwas, das sie nicht benennen kann, aber so wichtig ist, wie das Atmen. Darum kehrt sie nach Studium und Auslandsaufenthalten in ihr Elternhaus zurück. Ihre Großmutter liegt dort im Sterben und die Fesseln der Kindheit legen sich um Henni. Zufällig stößt sie auf Briefe, die von ihrer Großmutter stammen müssen, und zurückgeschickt wurden. Briefe an einen fremden Mann, den die Schreibende geliebt hat, mit dem sie eine Affäre hatte. Während Henni zwischen den eindrucksvollen Orten ihrer Heimat, dem Druck ihrer Eltern und der Neugierde auf den nächsten Brief hin und her gerissen ist, stößt sie auf etwas, das die ganze Zeit in ihr war.

Poetik in der Sprache

Die ersten Seiten haben mich regelrecht umgehauen. Diese poetische Sprache ging mir ins Herz und die Bücherseele. Wunderschöne Metaphern und die intuitive Wiedergabe der Landschaft haben mich mitten in die Geschichte hineinversetzt. Das schaffen so nur sehr wenige Bücher. Henni ist nicht etwa eine jammernde junge Erwachsene, sondern auf ihre ganz eigene, absolut realistische Art verzweifelt. Zu Recht, denn ihre Entscheidungen betreffen den Rest ihres Lebens und sie kann sich nicht damit abfinden, im Strudel der Alltäglichkeit gefangen zu sein.

Schnell war für mich klar, dass Das Flüstern der Pappeln ein Mutterbuch ist. Hennis Mutter klammert sich verzweifelt an den letzten Rest Lebens im Körper der Großmutter. Gleichzeitig herrscht zwischen ihr und Henni permanenter Konflikt. Neid schwingt dabei mit, aber auch viel Starrheit. Zwei starke Frauen, deren Kanten aneinanderprallen. Hennis Vater dagegen wirkt wie ein Ruhepol und dem Leser wird klar, dass genau der ins Wanken geraten ist. Für Henni, weil sie nicht glauben kann, dass es den Vater erfüllt statt seines Berufs den angeheirateten Hof zu bestellen. Aber eben nicht nur für sie.

Ein Auge für Details

Es ist die fein gesponnene Verstrickung einer Familie, die Halt und Sicherheit bietet und gleichzeitig ein enges Konstrukt, aus dem man nicht richtig loskommt. Genau das sieht Henni auch in den Briefen, die die einzelnen Abschnitten eingrenzen und dem Buch eine Form geben. Sie erzählen eine eigene Geschichte, die selbst Henni nicht vollständig enträtseln kann. Wie funktioniert Kommunikation aus nur einer Richtung? Und wohin führt sie? Es sind die Fragen, die nicht gestellt werden, die mitschwingen und das Buch so hochkomplex machen.#

Symbolisch aufgeladen führt Das Flüstern der Pappeln in eine Naturromantik mit Schauercharakter. Wunderschön und immer geheimnisvoll. Aber vor allem eine Quelle. Hier laufen die Fäden zusammen und lassen mehr entstehen, als Worte allein sagen können. Eine Aura, vielleicht, eine Botschaft, auf jeden Fall und den direkten Zugang zum Leser. Das letzte Finale für Henni habe ich geahnt und finde es im Nachhinein großartig, wie diese persönliche Apokalypse aufgebaut und zur ihrem Ende gebracht wird. Dieses Buch ist nicht, was ich erwartet hatte, aber eine Leseempfehlung für alle. Keine schnulzige Romantik, keine übertriebene Krise, sondern etwas Echtheit eingefangen zwischen den Buchstaben. Großartig.

Was ihr heute gewinnen könnt:
Das Flüstern der Pappeln ist gleich zweimal im Nikolausstiefelchen

Zusammen mit der Autorin, die ihr heute in meinem Adventskalender im weihnachtlichen Interview kennengelernt habt (dort könnt ihr auch etwas gewinnen), verlose ich heute zwei Exemplare von Das Flüstern der Pappeln. Verratet mir dafür einfach, welches euer Lieblingsbaum ist, wenn es einen gibt. Ich liebe ja Magnolien so. Meine Oma hat eine vor ihrem Haus und vor dem Mannheimer Schloss steht eine gigantische, deren Blüten jedes Jahr etwas Zauberei bieten.

Teilnahme ab 18 oder mit Einverständnis eines Erziehungsberechtigten, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht in bar ausgezahlt werden. Leser meines Blogs, die mir folgen und teilnehmen, bekommen ein Los extra. Generell habt ihr bei jedem Türchen die gleiche Chance, zu gewinnen. Das Gewinnspiel für den Gewinn zum 06.12.17 beginnt mit diesem Post und endet am 08.12.2017, 23:59.

Kommentare

  1. Janna | KeJas-BlogBuch

    Nachdem ich nun Julias Texte aus „Sehnsuchtsfluchten“ ebenso wie ihre kleine Geschichte „Das Mädchen im Wasser“ verschlungen habe, komme ich einfach nicht herum, hier in den Lostopf zu springen <3

    Mein Lieblingsbaum ist die Trauerweide – sie hat etas melancholisches und sieht einfach wunderschön aus!

    Liebe Grüße
    Janna

  2. Pingback: Ihr könnt gewinnen! – juliaschreibtblog

  3. Tolle Rezension, die mich jetzt noch neugieriger auf das Buch gemacht hat. Hierfür springe ich natürlich in den Lostopf, bin aber immer noch am überlegen welchen Baum ich mag, da ich, als Landmädel, eigentlich alle Bäume liebe. Ich finde uralte Weiden wunderschön, da man sich darunter wunderbar verstecken kann, mit dem Gefühl in einem Blätterhaus zu sein. Essigbäume fand ich schon als Kind toll, da man auf denen so toll klettern kann und da so ein Baum in meiner Kindheit mein geheimer Zufluchtsort war. Kirschbäume finde ich auch wunderbar, vor allem wenn sie blühen..dieser Duft..hach. Fichten und Tannen erinnern mich an meine unzähligen Waldspaziergänge und jaaa, auch an Weihnachten, als wir noch echte Bäume in der Stube stehen hatten. Auch Birken finde ich toll…sind irgendwie die Zebras unter den Bäumen aufgrund ihrer schwarz-weißen Rinde. Tja, für welchen Baum soll ich mich nun entscheiden oder darf ich alle nehmen? *g*
    Liebe Grüße (und zu Janna raufwinke)

Ich freu mich über eure Meinungen