Das Feuerzeichen – Francesca Haig

Dieser dystopische Roman hat mich auf den ersten Blick fasziniert. Mit 480 Seiten ist Das Feuerzeichen von Fancesca Haig als erster Band einer Reihe gerade erst bei Heyne>fliegt erschienen, übersetzt von Kathrin Wolf und Sonja Rebernik-Heidegger.

Das FeuerzeichenNach einer Katastrophe werden auf der Erde nur noch Zwillinge geboren, immer ein Mädchen und ein Junge, verbunden auf Leben und Tod. Doch während einer immer gesund und „vollständig“ ist, ist der zweite Zwilling immer beeinträchtigt. So auch Cass, die ihre Seher-Gabe erst mit dreizehn nicht mehr vor ihrer Familie verstecken kann. Dann aber wird sie, wie alle Omegas mit einem Feuerzeichen gebrandmarkt und muss ihre Familie verlassen. Denn die gesunden Alphas grenzen die Omegas aus und treiben Steuern von ihnen ein. Cass beginnt ein neues Leben und ihr Zwillingsbruder Zach steigt auf, immer mit der Wut auf seine Schwester im Bauch, denn in den Jahren der Ungewissheit wurde auch er ausgegrenzt. Eines Tages lässt er Cass gefangen nehmen und eine andere Seherin, die Beichtmutter, versucht mit Hilfe von Cass eine geheime Insel zu entdecken, auf der die Omegas einen Wiederstand aufbauen. Cass flieht, aber kann sie sich vor ihre Bruder und der Beichtmutter überhaupt verstecken?

Die Verbindung zwischen den Zwillingen und die gleichzeitige Feindschaft zwischen ihnen finde ich wirklich interessant. Das symbolhafte „Sich selbst hassen“ durch die elementare Verbindung und die scheinbare Gegensätzlichkeit der Zwillinge hat mich sehr fasziniert. Der starke Kontrast, der nicht nur durch die physischen Gegensätze, sondern auch durch die unterschiedlichen Geschlechter gezeigt wird ist dabei eine Verstärkung, die aber durch die Symmetrie zwischen den Geschwistern wieder aufgehoben wird. Dieses Hin und Her bestimmt auch das Buch, das durch die Liebe und die Furcht zwischen den Zwillingen bestimmt wird.

Der Plot ist verzweigt und kommt über Stationen zum Ziel, zeig aber so die diversen Unterdrückungen, denen die Omegas ausgesetzt sind. Gleichzeitig wird ihre Normalität aufgezeigt und eine Identifizierung erzeugt. Der Leser fühlt sich den Omegas dadurch schnell näher als den Alphas, die im ersten Moment als herzlos und ignorant erscheinen. Erst in einem weiteren Schritt wird auch dies aus den bereits bestehenden Normen abgeleitet und der Propaganda durch den Rat, dem auch Zach angehört.

Etwas schwer zu verstehen war dabei, wie Cass sich ihre Naivität beibehalten konnte und diese unumstößliche Geschwisterliebe empfindet. Nach allen Entbehrungen und dem, was Zach ihr angetan hat, ist dieser Glaube an das Gute im Inneren zwar lobenswert, aber nicht unbedingt nachvollziehbar. Gerade auch, weil er sich so konträr entwickelt hat und das, was für Cass gemeinsame Erinnerung ist, für ihn einfach anders gewesen sein muss.

Schwierig ist für mich auch der Stil, der teilweise wirklich gut ist, an anderer Stelle und gerade am Anfang aber sehr hypothaktisch und dann auch wieder sehr beschreibend. Das wandelt sich zwar immer mal wieder, aber diese schwachen Stellen bleiben für mich bestehen und lassen in dem sonst so gut geschriebenen Roman einfach fahle Strecken auftauchen. Ansonsten nämlich ist der Stil packend und spannend mit anschaulichen Metaphern und gelungenen Szenen.

Vor allem aber ist die Geschichte interessant und kommt zwar in sich zu einem ersten Etappenschluss, aber zu keinem Ende, was das Buch stimmig macht und gleichzeitig das Interesse am nächsten Band schürt. Für Freunde von Dystopien gut geeignet. Keine kitschige Liebesgeschichte, die die eigentliche Handlung überdeckt, keine Selbstinszenierung, sondern einen gesellschaftlichen Kampf, der plausibel und tiefsitzend ist. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

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