Blogtour: Zeit (en) im Stern von Erui

Heute kommt es hier zu einem Ende, wenn auch hoffentlich nur einem Vorrübergehenden. Denn heute begleite ich zum letzten Mal Den Stern von Erui bei einer Blogtour. Kennengelernt hatte ich Sylvia Rieß` Epos dabei erst zur Veröffentlichung des zweiten Bandes. Der aber hat mich so umgehauen, dass ich es kaum erwarten konnte, den ersten Band zu lesen und natürlich auch zu wissen, wie die Trilogie zu ihrem Ende kommt. Nun ist der dritte Teil, Sternenstaub, erschienen und ich – wieder einmal – begeistert. Gestern hat Nadja euch etwas zu den Erwartungen und Wünschen von uns Bloggern, aber auch von der Autorin selbst erzählt. Ich greife heute ein zentrales Motiv auf. Das der Zeit.

Was ist Zeit?

„Physikalisch gesehen ist Zeit das, was Uhren messen“, erklärt der SWR in seiner 1000 Antworten Rubrik. Und bevor es tickende Mechanismen gab, wurde die Zeit am Sonnenstand, an den Veränderungen in der Natur während der verschiedenen Jahreszeiten, an Ereignissen und Herrschenden festgemacht. Die Uhr ist lediglich das genauste Messinstrument. Genauer gesagt ist die genauste Uhr die der Atomuhr im Südwesten von London. In 729325216 Jahren geht diese Uhr maximal eine Sekunde falsch – sofern sie so lange existiert. Nun kommt aber dazu, dass Zeit, wie Einstein uns erklärt hat, relativ ist. Sprich: Die Atomuhr misst eben nur auf unserer Erde so exakt. Bereits in einem Flugzeug vergeht Zeit langsamer. Das berühmte Zwillingsparadox erklärt, dass wenn ein Zwilling sich zu einem Weltraumfug aufmachen könnte und zurückkäme, er jünger wäre, als der Zwilling, der auf der Erde verblieben ist. Zeit ist eben nicht überall gleich.

Von der Theorie nach Erui
Die Uhren ticken nicht überall gleich (Foto : alles / pixabay.de)

Auch in Erui ticken die Uhren anders. Dort vergeht die Zeit schneller, als in unserer Welt. Die Heldin der Trilogie, Fenia, hat dort Jahrzehnte verbracht, während ihr Körper nur um die vier Jahre gealtert ist, die in der menschlichen Welt vergangen sind. Dieses Merkmal des langsamen Altern liegt an einer magischen Besonderheit Eruis. Das fantastische Land ist aus den Träumen der Menschen entstanden und unterliegt demnach auch nicht deren physikalischen Gesetzen. Wochen dort sind lediglich Tage in „unserer“ Zeit. Das gibt den Figuren, die es nach Erui verschlägt, die Möglichkeit, ganze Abenteuer zu bestehen, während sie erstens kaum altern und zweitens in ihr „altes“ Leben weitgehend zurückkehren können. Doch die Zeit hinterlässt ihre Spuren. Als Fenia nach vier Jahren aus Erui zurückkehrt ist sie eine andere. Die hat Unaussprechliches erlebt und wird nun wieder damit konfrontiert, als „Kind“ gesehen zu werden.

Die Steinchen der Zeit
Zeit ist kein einfaches Thema (Foto: Yummymoon / pixabay.de)

Dieser Komplex wird in Der Stern von Erui grandios gesponnen. Das ist auch der Grund, warum ich nach dem zweiten Band nahtlos den ersten lesen konnte, ohne das Gefühl zu haben, das erste Buch nach dem zweiten zu lesen. Sylvia Rieß baut ihre Geschichte aus Mosaiksteinchen der verschiedenen Zeitebenen zusammen. Der Geschichte der heimkehrenden Fenia wird dabei die ihrer ersten Reise nach Erui gegenübergestellt. Das funktioniert gerade weil die Charaktere dazwischen eine so große Wandlung durchmachen, erzeugt einen ganzen Haufen an Spannung und lässt das Leserherz höher schlagen. Denn trotzdem fassen die einzelnen Episoden nahtlos ineinander, verdichten das erzeugte Bild immer mehr und schaffen dabei erstaunliches.

Zeit in der Literatur

Zeit in der Literatur ist wirklich ein heikles Thema. Denn zum einen ist Zeit in unserer Vorstellung immer wieder eine feste Größe. Selbst das eingangs erwähnte Zwillingsparadox ist nicht einfach zu begreifen. Meine Kollegin Anna Katharina Gisbertz hat sich in ihrer Habilitation lange mit dem Thema beschäftigt und ich wünschte, hier bereits darauf verweisen zu können, doch die Arbeit wird erst im Herbst veröffentlicht. Die Kontinuität einer Geschichte wird oft auch an ihrem zeitlichen Verlauf festgemacht. Dies aufzubrechen ist nicht einfach und wurde im Stern von Erui auf eine interessante Art und Weise versucht. Die Vorstellung, dass für eine Figur Zeit anders verläuft, als für eine andere, widerspricht eigentlich unserer Wahrnehmung von Zeit. Die Tatsache, dass aber auch der Leser hier auf unterschiedliche Art und Weise Zeitlichkeit erfährt, finde ich immens spannend. Ein beeindruckendes Ergebnis!

(Foto: Sylvia Rieß)

Natürlich könnt ihr bei dieser Blogtour auch etwas gewinnen. Sylvia Rieß verlost eine Gesamtausgabe des Sterns in der Printversion. Dafür könnt ihr jeden Tag Lose sammeln, also schaut auf allen Blogs vorbei und beantwortet dort die jeweilige Frage. Meine lautet: Welche Bücher, in denen Zeit eine große Rolle spielt kennt ihr noch?

Und hier noch einmal der Fahrplan:

09. 01 Wünsche, Erwartungen, Hoffnungen – und davon jede Menge bei Nadja von Bookwormdreamers

10. 01 Im Wandel der Zeit – eine besondere Perspektive des Sterns bei mir

11. 01 Magische Herzen – Das Geheimnis der letzten Seite bei Sabrina von Fantasy Books

12. 01 Das Sternenlied – Eine Saga, die mein Leben veränderte bei Sabrina von Leseträume

13. 01 Schluss. Aus. Vorbei? – Ein letztes Interview bei Susanne von Äppelwoi meets Astra

Kommentare

  1. Bettina Hertz

    Guten Morgen,
    Dankeschön für deinen Beitrag. Es wäre wirklich zu schön, in eine Parallelwelt abzutauchen, in der Zeit langsamer vergeht. Erui wäre da auch mein Favorit. Bezüglich Zeit fällt mir spontan die Trilogie von Kerstin Gier „Rubinrot/Saphierblau/Smaragdgrün“ ein. Oder „La Vita Seconda“ von Charlotte Zeiler.
    Liebe Grüße Bettina Hertz

  2. Liebe Eva,
    das ist ein sehr interessanter Beitrag! Ich kenne natürlich all die oben genannten Bücher. Zusätzlich steuer ich „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“ von Rachel Joyce bei, da diese zwei Sekunden viele Leben im Buch verändern werden. Aber auch die „Besonderen Kinder-Trilogie“ von Ransom Riggs spielt mit der Zeit. Dort gibt es spezielle Zeitschleifen, die eine große Rolle inne haben. Im Band „Die Sanduhr – Krosann-Saga 3“ von Sam Feuerbach ist die Zeit auch ein Thema. Aber mein absolutes Hightlight zum Thema Zeit ist „Die vielen Leben des Harry August“ von Claire North. Harry lebt in einer Zeitschleife. Er wird immer und immer wieder neu geboren und weiß jedes Mal alles aus seinen vorherigen Leben.
    GlG vom Monerl

Ich freu mich über eure Meinungen