Blogtour "Weil wir Flügel haben" – Plötzlich Mutter

Willkommen bei der dritten Station zur Blogtour von Vanessa Diffenbaughs Weil wir Flügel haben aus dem Limes Verlag. Heute passt das Thema wirklich ausgezeichnet nur meinem Blog: Plötzlich Mutter.

Weil wir Fluegel haben von Vanessa Diffenbaugh

Letty sieht sich in Weil wir Flügel haben von einem Tag auf den anderen mit der Betreuung ihrer Kinder konfrontiert. Bisher hat ihre Mutter sich um den vierzehnjährigen Alex und die sechsjährige Luna gekümmert, doch Lettys Eltern beschließen nach einer Reise nach Mexiko, dort zu bleiben. Vor Jahren sind sie als illegale Einwanderer nach Amerika gekommen, wo Letty und deren Kinder geboren wurden. Letty ist verzweifelt. Sie kennt ihre Kinder, sie liebt ihre Kinder, aber am einzigen Tag, an dem sie alleine auf den damals zweijährigen Alex aufgepasst hat, hat er sich vergiftet und ist fast gestorben.

Lettys Problem ist auf den ersten Blick außergewöhnlich. Doch bei genauem Hinsehen, stecken dahinter viele kleine Schritte. Sie wurde als achtzehnjährige schwanger. Damit ihre Tochter eine Zukunftsperspektive mit Ausbildung und Beruf hat, übernahm Lettys Mutter die Säuglingspflege. Große Nähe zu dem Baby kam nie auf. Letty war schlicht keine Bezugsperson für Alex. Sie hat versucht, zu lernen und ihr Leben auf die Reihe zu bekommen, streifte aber nachts durch Bars und dröhnte sich mit Alkohol zu – ein Fluchtversuch vor ihrem inneren Schmerz und der Zerrissenheit. Mit einer überfürsorglichen Mutter, die gleich das Ruder an sich gerissen hat, konnte Letty also nie lernen, die Verantwortung für Alex zu übernehmen.

Diese Situation verschärfte sich durch das traumatische Erlebnis, als Alex fast gestorben wäre. Während Lettys Mutter sie noch weiter verdrängte, rückte Letty aus Angst, Alex zu gefährden, noch weiter von ihm weg. Fürsorge durch Rückzug also, denn Letty wusste, dass er bei ihrer Mutter gut aufgehoben ist. Das mangelnde Selbstwertgefühl sorgte dafür, dass Letty glaubte, sie könne gar keine gute Mutter für Alex sein. Der Blick von außen auf Mütter ist extrem. Kein Schritt, keine Handlung, keine Reaktion bleibt unbeobachtet und immer schwingt Druck mit. Ein beliebtes Beispiel ist der Klassiker vom Kind, das im Supermarkt vor den Süßigkeiten zetert. „Da bekommt wohl immer alles, was es will“ – denken manche und fühlen sich bestätigt, wenn die Mutter unter den Blicken der Anderen zu den Gummibärchen greift. „Das arme Kind bekommt nichts Süßes“, kommt vielleicht auch manchen in den Sinn, gerade wenn die Mutter konsequent bleibt. „Die hat ihr Kind nicht im Griff“, denken viele und selbst wenn niemand mehr so etwas denkt, weil es eben ein Klischee ist, glaubt immer noch die Mutter, dass solche Meinungen in den Blicken der Fremden mitschwingen. Letty ist nicht bereit, sich diesen Blicken auszusetzen.

Vanessa Diffenbaugh: Weil wir Flügel habenAls sie wieder schwanger wird aber, ist sie älter, reifer und weiß, wie die Distanz zu ihrem Sohn sich anfühlt. Sie will alles besser machen – ihre zweite Chance. Mittlerweile hat sie die Ernährerrolle übernommen und verdient Geld, sie kauft eine Wiege, wird trocken. Doch wieder ist es ihre eigene Mutter, die eingreift und die Wiege zu sich holt – die arbeitende Letty muss ja schlafen. Die Milch schüttet sie weg – Letty könnte ja doch Alkohol getrunken haben. Letty wird bemuttert und entmündigt. Statt sich zu wehren, fügt sie sich, arbeitet, während ihre Eltern für die Kinder da sind. Weil es bereits eine Mutter gibt, ist kein Platz für eine zweite. Distanz zu ihren Kindern ist das Ergebnis.

Mit einem tiefen Bewusstsein, keine gute Mutter sein zu können, wird Letty dann mit der plötzlichen Entscheidung ihrer Eltern konfrontiert. Sie muss alleine nach Amerika zurück. Ausgerechnet in dem Moment hat sie einen Autounfall und trifft ein Mädchen, dass seine Mutter verloren hat. Diese Begegnung gibt ihr die Kraft, zurück zu fahren und sich ihrer Aufgabe zu stellen. Hineinwachsen, wie andere Mütter, kann sie dabei nicht. Auf sie warten ein Junge, der gerade seine erste Liebe erlebt und ein kleines Mädchen mit maßloser Trennungsangst. Sie kennt ihre Lieblingsgerichte nicht, weiß nicht, wie sie sie beschäftigen soll und ist schon mit dem ersten Abendessen überfordert.

Als Barkeeperin muss Letty ihren kompletten Alltag umstellen. Sie übernimmt eine andere Schicht, die weniger Geld bringt, aber für die sie nachts nicht wegmuss, lernt zu kochen und den Alltag zu strukturieren. Sie bringt Luna mit zur Arbeit, eine Notlösung, die nur vorläufig funktioniert. Kurz: Sie versucht verzweifelt ihren bisherigen Tagesablauf ihren Kindern anzupassen. Schließlich trifft sie die Entscheidung, umzuziehen. Nicht, weil es anderswo billiger wäre, im Gegenteil, sondern allein für ihre Kinder. Diese Entscheidung für das Wohl ihrer Kinder, die so an eine sicherere Schule kommen, obwohl sie gleichzeitig mehr Druck und Belastung für Letty bedeutet, zeigt, wie sehr ihre Gedanken doch immer um ihre Kinder kreisen. Sie will das Beste für sie und versucht sich selbst hintenanzustellen.

Eine Gewohnheit, die viele Eltern und gerade Mütter pflegen – erst die Kinder, dann ich. Auch Letty merkt schnell, dass sie ihr eigenes Leben nicht einfach so auf Leerlauf stellen kann. Ein neuer Kollege und Alex Vater, der plötzlich auftaucht, stellen dabei nicht nur ihre Gefühlswelt auf den Kopf, sondern erweitern, jeder auf seine Art, ihren Horizont. Während ihr Kollege Rick sie zur Weiterbildung bringt und ihr ein kleines Mietshaus vermitteln kann, kommt Alex seinem Vater näher. Als es zur Entscheidung kommt, ob Letty eine Beziehung für sich oder für ihre Familie eingehen soll, schwankt sie. Kann sie wirklich ihren eigenen Weg gehen – auch mit Kindern? Oder muss sie jede Entscheidung für ihre Kinder treffen?

Eine Entscheidung, die sich lange durch das Buch zieht und schließlich doch leicht zu beantworten scheint. Doch oft geraten Mütter an den Vorwurf das Wohl ihrer Kinder aus den Augen zu lassen, wenn sie eine Wahl für sich selbst treffen. Schnell wird sie dann zur Egoistin und Rabenmutter. Dabei zeigt sie doch so ihren Kindern, dass auch sie solche Entscheidungen treffen sollen, die sie glücklich machen.

 Gewinnspiel

Gewinnen könnt ihr ein Überraschungspaket, wenn ihr mir im Kommentar erzählt, ob ihr euch für den richtigen Partner für euch selbst oder eure Kinder entscheiden würdet.

Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel
Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird von CP – Ideenwelt organisiert.
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Das Gewinnspiel endet am 28.05.2016 um 23:59 Uhr.

Ihr könnt auch bei den anderen Beiträgen wie immer Lose sammeln und eure Gewinnchancen erhöhen. Darum hier nochmal der Fahrplan:

23.05.2016 – Weil wir Flügel haben – Vanessa Diffenbaugh – Booknaerrisch
24.05.2016 – Lettys Familie – Tamybuecherwelt
25.05.2016 – Plötzlich Mutter – hier seid ihr
26.05.2016 – Ängste und Zweifel in der Kindererziehung – BuchBria
27.05.2016 – Mexikanische Flüchtlinge in der USA – Bookwormdreamers
28.05.2016 – Wie ein Unfall das gesamte Leben ändern kann – AefKaeye
29.05.2016 – Gewinnerbekanntgabe auf allen Blogs

Kommentare

  1. Bettina Hertz

    Guten Morgen,
    Danke für deinen Beitrag. Es muss für beide passen, sowohl für die Kinder und für einen selbst. Ansonsten gerät man wieder in einem Teufelskreis, für andere alles richtig zu machen und bleibt selbst auf der Strecke.
    Liebe Grüße Bettina Hertz

  2. Karin

    Hallo und guten Morgen,

    ich denke mir, muss und kann man gerne auch etwas egoistisch sein.

    Denn letztendlich muss ich mit dem Mann/Partner ….vielleicht eine länge Zeit/ein lebenlang auskommen und mir deshalb nur im Bezug auf meine, möglichen Kinder sich für einen bestimmten Mann zu entscheiden, der genau diese Eigenschaften hat.

    Empfinde ich persönlich als etwas kurzsichtig und wenig sinnvoll. Denn ich habe ja auch noch ein Leben, was ich leben möchte.

    LG..Karin…

  3. Isabell Hertz

    Hallo,
    vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. 🙂
    Ich würde mich in diesen Fall für meine Kinder entscheiden. Besser wäre es natürlich,wenn man beides in Einklang bringen könnte.
    Liebe Grüße
    Isabell

  4. Madita

    Huhu,
    ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es jemals zu diesem Konflikt kommen könnte bei mir… ganz ehrlich, ich würde bestimmt gar keinen Mann auswählen / ihm näher kommen, der nicht zu meinen Kindern passt… Also im Zweifelsfall würde ich mich doch auf meine Kinder verlassen.
    LG und schönes We,
    Madita

  5. Shuting

    Hey 🙂
    Danke für deinen tollen Beitrag.
    Ich würde mich immer fürmeine Kinder entscheiden. Es ist zwar besser, wenn man den Konflikt irgendwie vermeiden könnte und man beides vereinbaren könnte. Aber wenn es jetzt wirklich darauf ankommt, würde ich mich für meine Kinder entscheiden.
    Liebe grüße Shuting 🙂

  6. Hallo liebe Eva!

    Ich finde, dass das gar keine so leichte Frage ist … Also zuerst muss ich sagen: ich habe (noch) keine Kinder und weiß nicht, ob ich die Frage eines Tages nicht vielleicht ganz anders beantworten würde. Aber ich glaube, aus meiner jetzigen Sicht würde ich mich für mich für den richtigen Partner entscheiden: natürlich nur, wenn ich mir absolut sicher bin, dass ER es ist, den ich aus tiefstem Herzen liebe und weiß, dass er mir guttut. Nur weil meine Kinder den Mann nicht leiden können, weil sie aktuell vielleicht gerade auf einem Egotrip sind oder Angst haben, dass sie durch ihn weniger Aufmerksamkeit bekommen, kann ich mich doch nicht gegen die Liebe meines Lebens entscheiden. Meine Kinder werden irgendwann erwachsen sein und ausziehen und dann sind meine Kinder weg und die Liebe meines Lebens habe ich vor Jahren wegen meinen Kindern verlassen? – Das kann es ja auch nicht sein. Ich würde mich zu meinen Kindern setzen und versuchen, herauszufinden, warum sie den Mann, den ich liebe, nicht mögen und schauen, ob wir nicht gemeinsam eine Lösung finden können … Ich würde mich niemals gegen meine Kinder entscheiden, aber auch niemals gegen den Menschen, der vielleicht mein Seelenpartner ist.

    Alles Liebe ♥,
    Janine

  7. Pingback: Buechertatzen - [Blogtour] Weil wir Flügel haben - Tag 6 - Buechertatzen

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