Bauer Bernhard. Beamter Kafka – Janko Ferk

Als Literaturwissenschaftlerin wie Autorin war ich ganz gespannt auf Janko Ferks Bauer Bernhard. Beamter Kafka, mit 176 Seiten letztes Jahr bei Styria Premium erschienen.

Janko Ferk: Bauer Bernhard Beamter KafkaJanko Ferk, selbst Jurist und Autor, blickt auf Schriftsteller und ihre Zivilberufe. Unterschiedlich, wie die Schriftsteller selbst, sind diese, und so gibt es eine bunte Mischung vom Bauer zum Arzt und Juristen, Beamten und zur Journalistin. Ein kurzes Porträt der Künstler, ein zusammengefasster Lebenslauf und wichtige Werke werden dabei nicht vergessen, so dass das Buch am Ende eine kurze Sammlung Biografien österreichischer Autoren wird.

Das war dann auch für mich die kleine Ernüchterung. Die Berufe spielen in den einzelnen Lebensläufen mal mehr, mal weniger eine Rolle und insofern sind sie eben auch manchmal nur am Rande erwähnt, manchmal dagegen als geradezu entscheidend für die Werdegänge der Autoren. Am längsten verweilt Ferk dazu bei Kafka, der am genauesten betrachtet wird, wohl auch, weil Ferk bereits früher zu Kafka geforscht hat.

Gelungen ist, dass Ferk dabei immer wieder Verweise liefert und keine Spekulationen anstellt. Jedem Autor ist eine Liste von Belegen beigefügt, die jedem Interessierten die Möglichkeit des Nachforschens ermöglichen. Dass in die Liste der Zivilberufe auch Bauer für Bernhard aufgenommen wurde kann indes kritisiert werden, immerhin stellt sich dies eher als Titel denn als Beruf heraus. Neben den Titelgebenden Autoren befasst sich Ferk außerdem mit Grillparzer, Schnitzler, Zuckerkandl, Wildgans, Drach, Mayröcker und Frischmuth.

Angenehm fand ich die Sprache, die locker bleibt, ohne den wissenschaftlichen Anspruch zu verlieren – etwas was gerade deutschsprachigen Wissenschaftlern nicht immer gelingt, aber Ferk ist ja auch Jurist. So liest sich das Bändchen als Unterhaltung und Wissenswertes für Zwischendurch und ist durchaus und gerade auch für den interessierten Laien, der einfach gerne etwas mehr über deutschsprachige und österreichische Autoren erfahren möchte.

Die Auswahl der Autoren finde ich dabei auch interessant. Durchdacht greift Ferk nicht allzu weit in die Vergangenheit und führt einige Autoren an, die noch immer schaffen sind. Dabei lässt er durchaus Leerstellen zu berühmten Schriftstellern, greift dafür aber andere auf, die nicht weniger lesenswert sind.

Etwas blieb Bauer Bernhard. Beamter Kafka hinter meinen Erwartungen zurück, was daran liegen mag, dass ich mir den Fokus auf den Auswirkungen der Berufe für die Autoren – wenn denn schon dieses Thema gewählt ist – einfach etwas genauer gesetzt gesehen hätte. Das Fazit bleibt aber, dass der Band für alle, die sich leicht und locker etwas mehr über einige Autoren informieren wollen, hier gut beraten sind.

Ich freu mich über eure Meinungen