Alice im Wunderland

Erwartet nichts und erwartet alles, wenn ihr euch Alice im Wunderland anschaut.  Wir waren gespannt auf Tim Burtons Adaption und verschreckt von widersprüchlichen Kritiken. „Ausgerechnet ein Drache“, hatte mir eine Dozentin gesagt. „Verrückt“, hieß es, mal als Kompliment, mal als Beleidigung. Aus einem Kinderfilm einen für Erwachsene machen, das versuchen immer wieder viele. Ob mit Schneewittchen (neuster Versuch ist Snowwhite and the Huntsman) oder Rotkäppchen (da war es wohl Red Riding Hood) – sie kommen an, die Neuauflagen der Geschichten unserer Kindheit.

Und auch Alice im Wunderland kam an. Herrlich verrückt, sechs unmögliche Dinge zum Frühstück und Johnny Depp als verrückter Hutmacher – gebrochen und liebenswert. Tim Burton erzählt Alices Geschichte nicht neu, er erzählt sie weiter und setzt trotzdem alles auf Anfang. Und Alice (Mia Wasikowska) muss sich selbst fragen, ob sie die Alice ist und über sich hinauswachsen.

Eigentlich soll sie heiraten, alle wissen das, außer ihr. Vor versammelter Mannschaft wird sie vorgeführt und flüchtet – wie immer. Sie ist nie erwachsen geworden, unsere Alice, das romantische goldene Kind in ihr wird lediglich eingegrenzt von Normen und Gesellschaftsansichten. Es ergeht ihr, wie uns allen, wenn wir merken, dass das, was wir tun, nicht mehr von uns selbst kommt, sondern uns vorgegeben wird, von dem ominösen „So macht man das eben“. Und sie flüchtet. In den Kaninchenbau, die Festung der Phantasie, die Rettung des inneren Kindes.

Wie in ihrem Leben, ist diese Festung bedroht, zerfallen, gebrochen. Tausende Köpfe schwimmen im Schlossgraben und die rote Königin (Helena Bonham Carter) sorgt für Nachschub. Doch sie hat es nicht leicht, als Böse, als Kopf des Ganzen, sozusagen. Die Angst ihrer Untertanen lässt sie zweifeln. Wäre es nicht schöner, geliebt zu werden? Ihre eigene Angst ist es, die sie scheitern lässt, die es ihr unmöglich macht, geliebt zu werden. Alice hält dagegen. Liebt und wird geliebt und ausgerechnet der verrückte Hutmacher macht ihr am Ende den Abschied so schwer. Ausgerechnet. Doch jedes „Ausgerechnet“ zu diesem Film ist ein „Es hätte nicht anders sein können“. Niemand anderes, als der Hutmacher, kein anderer Gegner, als der Drache.

Alice im Wunderland ist nichts für jeden. Aber für alle, die es schaffen, noch vor dem Frühstück an sechs unmögliche Dinge zu denken. Und darüber hinaus!

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