Jugendschutz, Scheuklappen und Dämonenfürsten – Raywen White im Interview

Manchmal lese ich ein Buch, das mir so gar nicht gefällt. Manchmal lese ich den zweiten Teil zu so einem Buch und bin positiv überrascht. So ging es mir mit Raywen Whites Reihe Der Fluch der Unsterblichen, bei dem ich Entfachte Glut eher grausig fand und Vergessene Leidenschaft mit wirklich begeistern konnte. Nun ist der dritte Teil Flammender Sturm erschienen und ich durfte ihn schon lesen. Bevor ihr aber meine Rezension bekommt, darf ich euch heute ein spannendes Interview mit der Autorin präsentieren. Raywen White hat mit mir über sexuelle Gewalt in Büchern, dem ewigen Konflikt von Herz und Kopf und ihren weiteren Buchplänen gesprochen. Aktuell findet übrigens eine Release-Party zur Veröffentlichung auf Facebook statt 😉

Schreibtrieb: Liebe Raywen, „Flammender Sturm“ ist dein dritter Teil zur Reihe „Der Fluch der Unsterblichen“, setzt aber im Prinzip an den ersten Teil an. Wusstest du damals schon, wie Kandarahs Geschichte weitergeht?

Raywen: Eigentlich war Flammender Sturm, als zweiter Teil der Reihe gedacht gewesen. Die Idee dafür kam mir während des Schreibens vom ersten Teil. Kandarah war ein so faszinierender Charakter, dass ich unbedingt eine Geschichte zu ihr schreiben wollte. Ihre sehr temperamentvolle und manchmal schwierige Art machte es mir allerdings nicht einfach, ihr den richtigen Partner an die Seite zu stellen, der sie auch mal auf den Boden der Tatsachen zurückbringen kann.

Autorin Raywen White (Foto: Raywen White)
Schreibtrieb: Boden der Tatsachen ist ein gutes Stichwort. „Flammender Sturm“ ist ein erotischer Romantasyroman, ein Genre das jüngst erst durch Kritik an sexueller Gewalt und Beeinflussung von Jugendlichen in den Fokus gerückt ist. Glaubst du, eine Altersempfehlung oder eine Art Jugendschutz wäre bei Büchern auch sinnvoll?

Raywen: Jugendschutz halte ich für sehr wichtig, jedoch ist dies ein sehr komplexes und schwieriges Thema. Die Art wie dies teilweise bei dem Medium Film durch die FSK erfolgt, finde ich nicht immer gelungen. So werden z.B. Animes geschnitten um die blutigen Szenen zu entfernen, doch die Kritik, die an dieser Art des Schnitts immer wieder diskutiert wird, ist nicht von der Hand zu weisen: Den Kindern wird bei Animes zwar die Gewalt gezeigt, jedoch nicht die Konsequenz. (Ein Schlag kann jemanden verletzen)
Schwierig dabei ist auch immer die Individualität des Kindes. Ich war damals mit meinem zwei Jahre jüngeren Bruder in Jurassic Park im Kino (ja so alt bin ich schon -.-), während er als Dinosaurierfan keine Probleme mit dem Film hatte, hatte ich ehrlich gesagt Albträume von dem T-Rex.
Da sind auch einfach die Eltern gefragt und können ihre Verantwortung nicht auf einen Stempel abwälzen. Wie weit ist der/die Jugendliche in der Lage zu erkennen, dass die Geschehnisse in einem Buch Fiktion sind? Ich war schon als Kind sehr ernst und etwas ‚altklug‘.

Schreibtrieb: Gerade da weiß ich nicht, ob Eltern die Reife ihres Kindes immer richtig bewerten können, gerade bei Jugendlichen verzerrt sich das doch sehr.

Raywen: Es ist auch immer eine Frage der Darstellung und Entwicklung der Charaktere. So empfinde ich erotische Szenen ab 14 nicht unbedingt problematisch, da einige Mädchen bereits Sex haben. Ich selbst habe meine ersten Romane in denen erotische Szenen vorkamen ebenfalls mit 14 angefangen zu lesen. Einige historisch, einige in der heutigen Zeit. Mir selbst haben sie auch bei einigen schwierigen Erlebnissen geholfen, weil die Frauen darin stark waren, oder aus ihrer Lage einen Weg gefunden haben zu entkommen. Das Happy End ist auch ein wichtiger Aspekt, denn er gibt Mut sein eigenes Glück zu suchen und niemals aufzugeben.
Jedoch halte ich es auch für kritisch, dass in einer Geschichte eine Frau nur dann ihr Glück erfährt, wenn diese sich schwach und hilflos gibt. Problematisch ist bei der Diskussion jedoch gewesen, dass hier nicht mehr darauf eingegangen wurde, dass sich die Protagonisten in der Geschichte auch entwickeln können. Es ist wichtig Gewalt darzustellen, denn sie existiert in unserer Welt und wir dürfen nicht davor die Augen verschließen. Wir müssen lernen, damit umzugehen. Lernen was falsch und was richtig ist.

Schreibtrieb: Um noch beim Thema zu bleiben: Ich hatte den Eindruck, dass du gerade den Bereich der Gewaltverherrlichung wichtig genommen hast. Wie schwierig ist es denn da, die Wage zu halten?

Raywen: Das war bei diesem Teil sehr schwierig -.-, immerhin ist Talon ein Dämonenfürst, der über eine ganze Legion von Dämonen herrscht und sich gegenüber anderen Dämonenfürsten in der Vergangenheit behaupten musste. Auch ist er mehrere Jahrhunderte alt und daher in einer ganz anderen Epoche und sogar einer ganz anderen Welt aufgewachsen, in der Gewalt zum normalen Alltag gehört. Er ist daher keine Schmusekatze oder ein Pantoffelheld, sondern gewohnt, dass man seinen Befehlen aufs Wort gehorcht.

Neu veröffentlicht: Flammender Sturm von Raywen White
Schreibtrieb: Aber dennoch lernfähig, wenn sein Herz involviert ist. In deiner Reihe ist Liebe eine übermächtige Macht, vom Schicksal bestimmt, die alles verändert. Glaubst du an die große Liebe?

Raywen: Oh ja. Und das obwohl ich ein sehr realistischer Mensch bin. Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich früh angefangen habe, Liebesromane zu lesen (in Massen). Es hat mir geholfen, aus unglücklichen Beziehungen auszubrechen und die Hoffnung nie aufzugeben oder mich nicht einfach mit etwas geringerem zufrieden zu geben. Übrigens bin ich, am Ende dieses Monats, seit nun mehr 4 Jahren sehr glücklich verheiratet 😉

Schreibtreib: Dann herzlichen Glückwunsch! In „Flammender Sturm“ werden Kandarah die Augen geöffnet, sie wird mit ihren Vorurteilen konfrontiert und lernt auch ihre eigene Vergangenheit neu kennen. Glaubst du, wir sind manchmal zu starrsinnig in unseren Ansichten?

Raywen: Ja, manchmal laufen wir einfach mit Scheuklappen vor den Augen rum und versuchen alles in Schubladen zu packen, weil das für uns einfacher ist. Oft passt dies sogar, doch es gibt Ausnahmen und man sollte für diese immer offen sein. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, kann man so viel mehr entdecken.

Schreibtrieb: Apropos mehr entdecken. In all deinen drei Teilen steht die Auseinandersetzung mit einem Elternteil, besonders dem Vater, im Vordergrund der Psychologisierung einer deiner Figuren. Zufall oder Absicht?

Raywen: Echt? Ups. Es war eindeutig Zufall. Gut beim ersten Teil war es Absicht, bei den anderen beiden Teilen war es einfach die plausibelste Erklärung für die Entwicklung der Charaktere.

Schreibtrieb: Die Charakterentwicklung ist dir wirklich wichtig und geht auch in die Tiefe. Dein Buch greift dabei noch andere Themen wirklich gekonnt auf. Alkoholmissbrauch beispielsweise. Hat sich das entwickelt oder war das von dir geplant?

Raywen: Das hat sich so entwickelt. Ich arbeite nicht mit einem Charakterbogen oder ähnlichem. Der Charakter ist einfach wie er ist, mit Ecken und Kanten. Es können nicht alle Perfekt sein. Sie machen Fehler und haben oft ihren eigenen Kopf, also müssen sie auch mit den Konsequenzen ihres Tuns leben.

Schreibtrieb: Diese Konsequenzen können schon mal einschneidend sein, du bist da nicht zimperlich mit deinen Figuren. In „Flammender Sturm“ kämpfen immer wieder Herz und Verstand miteinander. Glaubst du, diesen Kampf kämpfen wir wirklich oder sind unsere Gefühle nicht auch oft von unserem Kopf abhängig?

Raywen: Ich bin mir sehr sicher, dass Gefühle von unserem Kopf beeinflusst werden. Man denke nur an den Placeboeffekt. Jedoch ist gerade der Verstand das, was uns am meisten einschränkt und uns Grenzen setzt, denn wir verlassen uns auf ihn und das, was wir kennen oder beigebracht bekommen haben. Wo wir auch wieder beim Thema Vorurteile sind. Vorurteile sind Muster, die wir erlernt haben durch Erfahrung oder Wissen und nach denen wir Menschen einordnen und denen wir mit entsprechenden Gefühlen entgegen gehen.
Es gibt Menschen die mehr auf ihren Verstand hören und andere eher auf ihr Herz. Und letztere sind oft sehr viel glücklicher.

Schreibtrieb: Mit „Flammender Sturm“ endet deine Reihe nicht. Weiß du schon, wann der vierte Teil erscheint und kannst etwas darüber verraten?

Raywen: Leider weiß ich noch nicht, wann er erscheint. Natürlich versuche ich die Fans der Reihe nicht zulange warten zu lassen ;). Jedoch habe ich aktuell ein anderes Projekt angefangen, worauf ihr euch auch schon sehr freuen könnt und was voraussichtlich bereits im August erscheinen wird.
Was ich euch schon einmal zu Teil 4 verraten kann ist: Es wird ein Vampirroman. Ja, ich weiß, alter Hut. Allerdings ist Veyd nun mal ein Vampir. Einen Hinweis für Band Vier findet ihr in Flammender Sturm 😉

Schreibtrieb: Am Ende meiner Interviews stelle ich immer gerne Assoziationsfragen. Bitte schnell beantworten und nicht groß über deine Entscheidung nachdenken:

Feuer oder Wasser – Feuer
Herz oder Kopf – Herz
Popcorn oder Eis – Popcorn
Sommer oder Winter – Herbst (ernsthaft, daran musste ich als erstes denken)
Schwimmbad oder Meer – Meer, aber nur mit Palmen und Sandstrand!

Danke für das tolle Interview und viel Erfolg für dein Buch!

Ich freu mich über eure Meinungen