18.12 – Liebes Christkind

Liebes Christkind,

wir haben dich nicht vergessen. Du lebst noch irgendwo zwischen den Tannenzweigen, in den Weihnachtsgeschichten und Liedern. Unsere Kinder, ja, die sind sich nicht mehr so ganz sicher, was du eigentlich mit Weihnachten zu tun hast. Sie kennen den Weihnachtsmann, die dicke Version vom Nikolaus, der Cola trinkt und Schokolade verkauft. Sie kennen rote Mäntel und volle Säcke, Schlitten mit Rentieren mit roten Nasen und kleine Elfen, die Geschenke basteln, irgendwo am Nordpol, wo nie ein Mensch hin kommt. Sie sind verdorben von Medien, von Filmen udn über den Teich gekommene Geschichten. Wie könnte so ein kleines Wesen wie du gegen den Weihnachtsmann bestehen?

Schon wir konnten kaum glauben, dass du den schweren Sack voller Leckereien und Überraschungen tragen kannst. Und wie du alle Kinder in dieser einen Nacht besuchen willst, ohne Schlitten, ohne irgendwas, nur einfach, weil du das Christkind bist, das ist auch schwer zu verstehen. Wie schaffst du das nur immer wieder?

Ein ganz besonderer kleiner Junge klärte mich kürzlich auf, machte es leicht, was mir so schwer scheint. „Das Christkind ist der Chef vom Nikolaus und vom Weihnachtsmann“, sagte er und stellte dich an die Spitze der Hirarchie. Du hast also die Fäden in deinen feinen Händen, du lenkst die Rentiere und teilst die Elfen ein. Der Weihnachtsmann ist höchstens Betriebsleiter am Nordpol, du aber bist Vorstand, bis Boss.

Mein liebes Christkind, wie schnell tritt man doch als Boss in den Hintergrund, wenn der Außendienst von einem anderen absolviert wird. Vielleicht, vielleicht findest du noch Zeit, ab und zu auch noch raus zu gehen. In ein paar Häuser zu schauen und ein paar Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Vielleicht findest du noch einmal zu mir, liebes Christkind, zu meinen Kindern, meinen Enkelkindern. Ich will dich nicht vergessen, vergiss auch du uns nicht, liebes Christkind.

Ich freu mich über eure Meinungen