09.12.2016: Nele Neuhaus im weihnachtlichen Interview

Als ich mit meiner Mutter im Oktober auf einer Orchideenausstellung war, gab es für mich mehr zu entdecken, als nur schöne Blumen. Denn niemand anderes als Bestsellerautorin Nele Neuhaus taufte eine neue Züchtung. Natürlich habe ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen und die großartige Schriftstellerin persönlich angesprochen. Im weihnachtlichen Interview habe ich festgestellt, das wir auf die gleichen Plätzchen stehen und worauf wir uns im neuen Jahr alles freuen können.

Schreibtrieb: Im November gab es den ersten Schnee, die ersten  Plätzchen Ende August. Das Weihnachtsfieber grassiert. Bist du angesteckt?

9Nele: Kein bisschen. Ich brauche die frühe Dunkelheit vor den Fenstern, bevor ich weihnachtliche Vorfreude entwickeln kann. Bei mir kommt frühestens in der Adventszeit der Appetit auf Spekulatius und die Lust auf Weihnachtsdekoration.

Schreibtrieb: Spekulatius ist ein gutes Stichwort. Ich probiere ja jedes Jahr neue Rezepte aus. Letztes Jahr stand ich auf Kardamom im Schokoladenguss, dieses Jahr hab ich eher Lust auf Zitronentaler. Bei welcher weihnachtlichen Nascherei kannst du nicht widerstehen? Oder gibt es etwas, was du gar nicht magst? Ich beispielsweise kann Marzipan nicht ausstehen und mache einen weiten Bogen um Christstollen.

Nele: Ich liebe Heidesand, mit Marmelade gefüllte „Spitzbuben“ und Vanillekipferl. Mit Marzipan, Stollen und allem Backwerk, das Citronat, Orangeat oder Rosinen enthält, kann man mich jagen.

Schreibtrieb: Uahh. Das gebe ich auch jährlich sofort an meine Mutter ab. Bei drei Kindern bekomme ich jedes Jahr wieder bekannte und neue Weihnachtsgedichte zu hören. Welches Gedicht versetzt dich so richtig in Weihnachtsstimmung? Oder ist es eher ein Lied/ ein Film? Und bei welchem weihnachtlichen Kulturgut möchtest du am liebsten davon laufen?
Nele Neuhaus, Schriftstellerin (Foto: Gaby Gerster)
Nele Neuhaus, Schriftstellerin (Foto: Gaby Gerster)

Nele: An Weihnachten darf – nein, muss – Kitsch sein! Schmalzige Weihnachtslieder sind absolut okay. Richtig in Weihnachtsstimmung gerate ich jedoch bei amerikanischen Weihnachtsliedern und das liegt sicherlich daran, dass meine Mutter früher in der Vorweihnachtszeit gerne den Radiosender AFN laufen hatte und da dudelten die amerikanischen Klassiker von morgens bis abends. Ich persönlich kriege eine Gänsehaut, wenn ich “And so this is Christmas” von John Lennon höre.  

Schreibtrieb: Dieses Jahr wird es in unserem Wohnzimmer richtig voll. Drei Kinder, vier Großeltern nebst Partnern (mein Mann und ich sind beides Scheidungskinder), Onkle, Patenonkel und unsere Katze. Wirst du an Weihnachten zum Familienmensch oder flüchtest du lieber in eine einsame Berghütte? Wie sieht dein perfekter Weihnachtsabend aus?

Nele: Heiligabend verbringe ich traditionell bei meinen Eltern, die zusammen mit meiner älteren Schwester und ihrer Familie in einem Haus wohnen. Ansonsten bin ich gerne für mich, kümmere mich um meine Tiere oder schreibe. Das Schöne ist, dass man an Weihnachten völlige Ruhe hat. 🙂

Schreibtrieb: Von der völligen Ruhe bin ich an Weihnachten weit entfernt. Turbulent wird es, wenn es an die Geschenke geht. Keule hat dieses Jahr seinen Wunschzettel ganz alleine gemacht und hat ziemlich hohe Ansprüche ans Christkind. Was wünschst du dir dieses Jahr, materiell und ideell?
Nele Neuhaus, Schriftstellerin (Foto: Gab Gerster)
Nele Neuhaus, Schriftstellerin (Foto: Gab Gerster)

Nele: Materiell wünsche ich mir gar nichts. Ich bin sehr schwer zu beschenken. Ich freue mich über einen harmonischen Abend im Familienkreis.

Schreibtrieb: 2016 war in vielerlei Hinsicht bewegend – und nicht immer im positiven Sinne. Weihnachten ist auch die Zeit der Besinnung, Nächstenliebe und des Rückblicks auf das vergangene Jahr. Wo hattest du in dem ganzen Trubel, den Wahlergebnissen und Schicksalsschlägen, die die Welt für uns bereit hatte, denn deine Lichtblicke? Und was hat dich besonders bewegt?

Nele: Meine Lichtblicke 2016 waren die beiden Quarterhorse-Fohlen, die ich mir gekauft habe: Cody und Sunday. Ich habe keine Kinder, so sind die zwei meine neuen „Zukunftsprojekte“, und ich freue mich sehr darauf, sie wachsen und gedeihen zu sehen. Besonders bewegend war für mich die Reise nach  Polen, wo ich so warm und freundlich willkommen geheißen wurde und Freunde gefunden habe.

Schreibtrieb: Hand aufs Herz. Deine Bücher sind toll und gehören natürlich unter den Baum. Aber welches Buch/welche Bücher eines anderen Autors wird dieses Jahr bei deinen Weihnachtseinkäufen nicht fehlen?

coverNele: Ich werde sicherlich Owen Sheers, der mit seinem Buch I SAW A MAN meine Entdeckung des Jahres war, verschenken. Außerdem das faszinierende Buch DER VIERTE STERN – Wie sich der deutsche Fußball neu erfand von Raphael Honigstein, für mich als Fußballfan ein Muss. Bei anderen Buch-Geschenken lasse ich mich in der Buchhandlung spontan inspirieren.

Schreibtrieb: Dein letztes Buch Im Wald ist quasi noch druckfrisch. Hat das Weihnachtsfest dich denn auch schon mal inspiriert, etwas zu schreiben?

Nele: Nein.9783550080555_200

Schreibtrieb: Kurz und knackig. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich Weihnachten sich doch am Ende literarisch äußert. Apropos Literatur. Auf welches Werk von dir dürfen wir uns denn für 2017 schon heute freuen?

Nele: In 2017 wird es einen sechsten Band meiner Jugendbuchreihe ELENA geben. Später, im Sommer, soll der dritte Band meiner Sheridan-Grant-Reihe, die ich als Nele Löwenberg schreibe, erscheinen. Beide Bücher werde ich in den nächsten Monaten schreiben. Und im Januar strahlt das ZDF die zweiteilige Verfilmung meines Romans DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN aus.

Schreibtrieb: Allerlei also, auf das ich heute schon sehr gespannt bin. Vielen Dank für deine Zeit!

Eure Gewinnchance: Ihr mögt Krimis oder wolltet schon immer mal einen Roman von Nele Neuhaus lesen? Dann ist das eure Chance. Kommentiert diesen Beitrag und landet im Lostopf für das Wochenpäckchen, in das ich Neles Schneewittchen muss sterben für euch gepackt habe. Es gelten die Teilnahmebedingungen des Adventskalenders.

Kommentare

  1. WoW, Nele Neuhaus im Interview! Das it wirklich toll, gratuliere, liebe Eva. Als Nele bekannt wurde, habe ich ihr erstes Buch gelesen und im Vordertaunus gewohnt, genau in dem Ort, wo der Mord im Buch stattgefunden hatte. Das war echt irrwitzig! Ich hatte alles genau vor Augen. Und seitdem habe ich auch fast alle ihre Krimi-Bücher gelesen. Die letzten beiden der Taunus-Reihe subben noch. Hatte noch nicht die Zeit, wird aber auf jeden Fall in 2017 nachgeholt. Und ganz genial fand ich „Unter Haien“, ihr Debüt, glaube ich. Diesen Thriller konnte ich nicht aus den Händen legen. Habe ihn damals in 1,5 Tagen verschlungen. Die Sheridan-Grant-Serie mag ich über haupt nicht. Aber es kann ja einem auch nicht alles liegen… Vielleicht lesen ja meine beiden Mädels irgendwann ihre Elena-Reihe. So schließt sich dann der Lesekreis wieder. 🙂
    Gute Nacht und liebe Grüße, monerl

  2. Was für ein tolles Interview. Ich bin begeistert…. Ich bin gespannt,wie unser Weihnachtsfest wird.
    Ich hab noch nie etwas von Nele Neuhaus gelesen, bin jetzt aber richtig neugierig auf die tollen Werke der charmanten Autorin geworden.
    Liebe Grüße
    Martina Suhr

Ich freu mich über eure Meinungen