Am Tresen lauert die Gefahr – Sonja Baum

Über Litvideo kam ich an Sonja Baums Am Tresen lauert die Gefahr, einen Krimi der besonderen Art mit 180 Seiten, erschienen im März 2015 bei Michason & May.
Der Erzähler bezieht eine neue Wohnung oberhalb einer Bar, an der er fortan sein Feierabendbierchen trinkt. Schon bald wird es gefährlich und kriminell mit einem Mord, einem Verdächtigen, einem Drogenhandel, der geheimnisvollen Zeitlupenfrau und einem Haufen verschwundenem Geld.
So weit, so klassisch, fast wie in einem schwarz-weiß Film, etwas melodramatisch, mal schnell, mal langsam. Richtig interessant wurde es für mich, als der „Autor“ sich einschaltet und gegen den Erzähler agiert, der ihm die Geschichte irgendwie „abgeluchst“ hat. Da lauschte ich auf, war amüsiert und interessiert. Auch das Ende, das dadurch erst möglich wird ist absolut überraschend, erstaunlich und mit einem Augenzwinkern zu genießen.
Dass dieser Krimi, obgleich er so klassisch beginnt gerade so untypisch endet hat das Buch für mich erst interessant gemacht. Die Figuren sind waschechte Stereotypen, der einzige, aus dem der Leser nicht so schnell schlau wird, ist der Erzähler selbst. Und da liegt eben der Trick. Denn mit einem undurchsichtigen Erzähler wird eben auch alles, was er sagt, undurchsichtig. Der Kniff am Ende, den ich nicht vorweg nehmen will, bringt da zusätzlich Zunder rein.
Habe ich mich zu Beginn wirklich an einen schwarz-weiß Film erinnert gefühlt, kam zwischendurch doch noch etwas Rot ins Spiel, etwas Geheimnisvolles und Trügerisches. Das fand ich angenehm, passierte es doch auf einer klar unbewussten Ebene, soweit dem Erzähler zu trauen ist. Dessen Obsession seiner Exfreundin gegenüber wird schnell aufgedeckt und ist nicht nur für Handlung, sondern auch für ihren Rahmen entscheidend.
Von der Krimi-Seite her kein großer Wurf, das Ende ist überraschend, einen Schmunzler Wert, die Idee mit dem Zwiegespräch Autor-Erzähler (über denen dann eine Autorin steht) ist immer wieder gut, und hier auch gut umgesetzt. Wirkliche Krimi-Freunde, die absolute Spannung wollen, sollten es sich zweimal überlegen, aber diejenigen, die sich auf etwas anderes einlassen können, dürften Gefallen finden.

Kommentar

  1. Karin

    Hallo und guten Tag,

    zur Zeit sind solche Mini-Krimis echt „in“ oder?
    Denn ich lese zur Zeit Taxi zum Nordkap, dieser Roman hat auch nur 185 Seiten von Klaus Heimann…aber sehr gut gemacht.

    LG..Karin…

Ich freu mich über eure Meinungen